Im Bus setzte ich mich in einen der vorderen Vierer, da sie sozusagen schon meine Stammplätze waren, wenn ich mit dem Bus fuhr. Ich mied es mich in den hinteren Teil zu setzen, denn dort befanden sich meist die Hopper. Die konnte ich wirklich nicht leiden. Sie fanden sich immer toll, dabei beherrschten sie ihre eigene Muttersprache nicht mal richtig. Ich blickte nach hinten, um zu sehen, ob denn ein Hopper anwesend war. Nein, aber das hätte ich dann wahrscheinlich auch schon an der nerv tötenden Handymusik bemerkt, die ja leider nicht zu überhören ist. Mag ja sein, dass ihnen diese „Musik“ gefiel, aber mir definitiv nicht! Plötzlich hielt der Bus und ich sprang auf. Wir waren schon am Schloss und ich stieg aus. Vor mir befand sich ein recht kleines Café. Es hatte „Leonies“ in roter Leuchtschrift über der Eingangstür hängen und die Schaufenster waren mit  Lichterketten und einigen Pflanzen verziert. Vor dem Café befanden sich 5 Tische mit jeweils 3 Stühlen, die jedoch alle besetzt waren. Und das trotz des kühlen Wetters…  Hoffentlich ist es drinnen nicht genauso überfüllt wie draußen.  Ich lief hinein und schaute mich um. Alles besetzt, bis auf eine Couch in eine der hinteren Ecken. Genau das richtige für mich. Dort könnte ich mich in ruhe aufwärmen und einen Kakao trinken.  Hatte ich eigentlich genügend Geld bei? Ich setzte mich auf die freie Couch und wühlte in meiner Tasche nach meiner Geldbörse. Okay, gefunden und jetzt, bitte, lass mich wenigstens 5 € dabei haben.  Ich sah nach. Och nein…Ich war absolut pleite! Geknickt blickte ich durchs Café. Hier war es, im Gegensatz zu draußen, schön mollig warm. Ach man, ich wollte nicht jetzt schon wieder raus in die kälte. Und nach Hause würden mich vorerst keine zehn Pferde bringen! Aber ohne Geld in einem Café sitzen, ist das nicht unverschämt? „Guten Tag! Was kann ich ihnen bringen?“, fragte mich eine genervte Stimme. Ich blickte auf, in das Gesicht einer älteren Dame. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass sie auf mich zugekommen war.  Ihre grünen Augen sahen mich kühl und gleichgültig an. „Ich möchte bitte noch warten“, sagte ich ein wenig verunsichert. Die Dame verschwand, ohne ein weiteres Wort, wieder hinten in der Küche.  Worauf wollte ich warten? Auf ein Wunder? Ein Wunder, das mir all meine Sorgen nahm? Gab es denn solche Wunder? Gab es überhaupt Wunder? Ich fing an die Leute im Café zu beobachten. In der gegenüberliegenden Ecke saß eine Gruppe Studenten. Sie unterhielten sich aufgeregt, aber was, das konnte ich nicht verstehen. Mein Blick wanderte weiter durch den Raum und blieb auf einer Person hängen. Ich kannte diese Person. Früher sogar sehr gut, aber seit einem Jahr ist es für mich, als ob ich sie nie wirklich gekannt hatte. Es war Lana, meine ehemals beste Freundin. Was machte sie denn hier? Sie stand am Tresen und schien sich etwas zu bestellen. Oh man bitte, wenn es sowas wie einen Gott gibt, dann soll er bitte dafür sorgen, dass Lana wieder verschwindet. Ich wollte nicht dass sie mich entdeckt. Sie würde mich wieder wegen der kleinsten Sachen versuchen Nieder zu machen. Ich mochte ihre Anwesenheit nicht. Sie stand immer noch am Tresen, spielte an ihren langen dunkelbraunen Haaren und fing an sich mit ihren Gift-Grünen Augen umzusehen. Oh nein! Panisch blickte ich mich um. Die Toiletten! Ich sprang auf und raste auf die Damentoilette und schloss die Tür eilig hinter mir.

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