Ich bog in die nächste Straße und konnte jetzt auch schon das Haus von  Yvonne sehen. Wieder schaute ich auf mein Handy. Immer noch kein Anzeichen davon, dass sie sich gemeldet hat. Warum meldete sie sich nicht? Ich brauchte sie doch jetzt  dringend…Ich wollte doch reden. Vor Yvies Haus blieb ich stehen und sah zu ihrem Zimmer hinauf.  Ob sie zu Hause ist? Hätte sie mir dann nicht schon zurück geschrieben oder angerufen? Aber vielleicht hat sie ja auch noch gar nicht auf ihr Handy geschaut… Ich lief zur Eingangstür und klingelte.  Nichts passierte. Kein einziges Geräusch kam aus dem Haus. Ich klingelte nochmals. Wieder nichts. Sie scheint wohl wirklich nicht da zu sein. Ach man, scheiße! Mit wem soll ich denn jetzt reden? Ich entschied zum Schlosspark zu laufen, auch wenn das ein ganz schönes Stück zu laufen ist. Ich wollte eh nicht so bald nach Hause und da Yvonne ja anscheinend keine Zeit hat, werde ich wohl  woanders hingehen müssen. Ich hoffte bloß, dass im Schlosspark nicht zu viel los war. Ich wollte nur noch meine ruhe.

Auf dem weg zum Park bemerkte ich, was für ein eisiger Wind wehte und ich begann zu frieren. In der Eile, zu verschwinden, hatte ich wohl meine Jacke vergessen. Ich beobachtete die anderen Leute, die an mir vorbei liefen. Sie alle hatten eine Jacke oder einen dicken Pullover an und ich lief im T-Shirt durch die Straßen. Ich könnte ja beim Schloss mich in ein leeres Café setzen, mich aufwärmen und einen heißen Kakao trinken. Ja, das war eine gute Idee. Nur würde das noch gut 15 Minuten dauern eh ich überhaupt in der nähe des Schlosses war. Sollte ich lieber mit dem Bus fahren? Aber ich hatte meine Fahrkarte doch gar nicht bei mir oder? Nein, die lag auf meinem Schreibtisch zu Hause in meinem warmen Zimmer.  Und jetzt? Ich sah mich um. Ein kurzes Stück vor mir war eine Bushaltestelle. Sollte ich vielleicht Schwarzfahren? Naja eigentlich ist es ja kein Schwarzfahren, denn ich hab doch eine Fahrkarte. Nur hab ich sie eben nicht mit. Und außerdem kontrollieren die eh so selten.  Also steuerte ich die Bushaltestelle an und blieb am Fahrplan stehen.  Laut dem Plan sollte der Bus gleich kommen. Ich drehte mich um und hielt nach dem Bus ausschau. Er war noch nicht zu sehen. Warum haben hier eigentlich alle Busse Verspätung? Das nervt echt an. Mein Blick verfiel in ein In-Die-Luft-Starren. Ich fühlte mich wie in einer Art Trance. Ich dachte an nichts und nahm meine Umwelt nicht mehr richtig war. Ein Gefühl der leere machte sich in mir breit.  Anfangs war es nur ganz leicht, aber mit jeder Sekunde die verging wurde es stärker. Plötzlich riss mich ein Niesen in die Realität zurück. Ich zuckte zusammen und blickte erschrocken zur Seite, wo das Geräusch herkam. Neben mir stand ein Mann, Mitte 30, und schaute mich ebenfalls an. „Gesundheit!“, flüsterte ich fast und wandte mich wieder ab. „Danke“, lies er  freundlich verlauten, aber ich beachtete ihn nicht mehr, sondern hielt nach dem Bus ausschau, der ja nun wirklich viel zu spät dran war. Immer noch nichts zu sehen.  Wieder wehte ein eisiger Wind und ich begann wieder vor Kälte zu zittern. Hoffentlich kam der Bus bald. Wenn ich gelaufen wäre, dann wäre ich sicher schon am Schloss und könnte einen heißen Kakao trinken. Aber nein, ich wartete auf den Bus, der nun auch endlich auf unserer Bushaltestelle zu steuerte. Ich stieg hinten ein, um nicht auch noch eine Kontrolle zu provozieren, die die Busfahrer vorne mit Freude durchführten.

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