Langsam drückte ich die Türklinke herunter, wie in Zeitlupe, um kein Geräusch zu verursachen. Ich öffnete die Tür einen Spalt um zu sehen, ob ich mich davonschleichen konnte. Meine Mutter war nicht zu sehen und so schlich ich mich zur Haustür. Mir liefen immer noch vereinzelt Tränen über die Wangen, zu tief saß der schmerz. Warum schmiss sie mir nur immer solche Sachen an den Kopf? Warum? Ich verstand es nicht.
Ich schloss die Haustür hinter mir und zog mir meine Vans an. Während ich die Treppen im Hausflur hinunter lief, schrieb ich Yvonne, meiner Freundin,
die 2 Straßen weiter wohnt, eine SMS.
„Hey Yvie, hast du zeit? Ich brauch jemanden zum Reden…. =(„
Ich hoffte, dass sie bald antworten würde. Sie war immer für mich da. Mit ihr konnte ich über alles reden.
Ich beschloss erstmal zu Yvies Haus zu gehen, da ich nicht wollte, dass meine Mutter mich sah, wenn ich hier draußen rumstand. Sie würde bestimmt wieder rumschreien.
Bei dem Gedanken rannte ich schnell zur nächsten Straße, die außer Sichtweite unserer Wohnung war. Ich merkte, wie mir eine einzelne Träne die Wange herunterlief. Ich blieb stehen, lehnte mich gegen eine Hauswand und wischte die Träne weg. Es wird zeit, dass ich mir Gedanken mache wie es weiter gehen soll, denn so geht es nicht mehr.
Mir vielen die merkwürdigen Blicke der vorbeilaufenden Leute auf und ich fühlte mich wie auf einem Präsentierteller. Was hatten die denn? Ist es so ungewöhnlich ein verzweifeltes Mädchen zu sehen? Hatten die denn keine eigenen Probleme um die sie sich kümmer mussten? Als ich mich wieder aufraffte um weiter zu Laufen, prallte ich mit etwas weichem zusammen und fiel hin. Autsch, das würde noch mehr blaue flecken geben, als ich eh schon hatte. Ich blickte auf und sah einen recht großen Jungen mit schwarzen Haaren, die ihm ins Gesicht fielen. Er stand direkt vor mir und sah auf mich hinab. Na toll. Heute war echt ein beschissener Tag.
Er hielt mir seine Hand hin und fragte: „Hast du dir weh getan?“  Was war das denn für eine Frage? Glaubte der, dass es Angenehm ist auf den Boden zu fallen? Aber okay, da er höflich gefragt hatte, wollte ich es ebenso tun. „Naja…geht so.“, antwortete ich ihm und ergriff seine Hand, die er mir immer noch entgegen streckte. Er zog mich vom Boden hoch und schaute mich prüfend an.
„Brauchst du einen Arzt oder so?“, fragte er mich dann schließlich.
„Nein, ich denke nicht. Danke.“ „Okay, ich muss dann wieder. Tschüss!“, verabschiedete er sich und ich stand wieder allein zwischen den ganzen vorbeihetzenden Leuten rum.
Mein Handy gab ein leises piepen von sich und ich sah nach, ob ich eine SMS bekommen hatte. Nein, aber mein Akku zeigte nur noch einen Balken.
Was ist das nur für ein Tag heute? Im Moment wünschte ich mir nichts sehnlicher als heute Morgen einfach nicht aufgewacht zu sein…

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