„Ich hasse dich! Du bist genau wie dein Vater!“ schrie sie mich an. „Du musst immer das letzte Wort haben und kannst immer nur nehmen, nehmen, nehmen!“ Langsam perlten mir die Tränen übers Gesicht. Wenn sie mich hasste, warum wollte sie mich dann damals, als sich meine Eltern trennten, haben? Warum lies sie mich nicht zu meinem Vater ziehen? Damals wusste ich es nicht. Damals war es mir egal. Bis sie anfing mich zu schlagen, bis sie mich zu Boden prügelte und nicht aufhörte. Heute Weiß ich, dass sie mich wegen dem Geld wollte. Nicht weil sie mich liebte, nein. Weil ich Geld bedeute. Unterhaltsgeld. Um zu meinem Vater zu ziehen ist es zu spät, das weiß ich. Er wohnt in Berlin, hat eine neue Familie, und ich? Ich musste damals mit nach Hamburg, ob ich nun wollte oder nicht. Nun saß ich hier auf dem Boden vor meiner Mutter, die sich nicht darum scherte, wie ich mich fühlte. Der es egal war, ob ich weinte. „Hau doch endlich ab! Zieh doch zu deinem Vater, ich kann dich nicht mehr ertragen!“ schrie sie wieder. Langsam stand ich auf und schloss mich in mein Zimmer. Ich wollte das nicht mehr hören. Doch sie ließ mich nicht in ruhe. Sie schrie weiter: „Dein Vater kann auch nur überall seinen Schwanz reinstecken! Und als du dann da warst musste ich mich um dich kümmern, weil dein Vater nie da war!“ Ich wollte das nicht mehr hören, ich konnte es nicht mehr. Aber was tun? Die Musikanlage, ich stellte sie an. Ich konnte nicht mehr. Meine Mutter machte mich fertig. Am Boden zerstört setzte ich mich auf meine Schlafcouch und weinte. Die Tränen brannten auf meinem Gesicht. Mein Herz schmerzte, denn in letzter Zeit verlor ich viele Menschen die mir wichtig waren. Freundinnen, die lieber zu den „Coolen“ wechselten. Klar, ich war nicht alleine, ich hatte immer noch Freunde. Aber es tut weh, wenn man eine Freundin, die beste, verliert. Wir haben früher alles zusammen gemacht und von einem auf den anderen Tag sagte sie „ Ach, leck mich doch!“ und war weg. Sehen wir uns in der schule beschimpft sie mich. Warum? Ich weiß es nicht. Ich kann es mir nicht erklären, aber wahrscheinlich ist es auch schon zu spät um etwas zu retten. Es war ihre Entscheidung. Das musste ich so annehmen. Und diese Erkenntnis verursachte gleich noch mehr Tränen. Ich wollte hier weg, musste mit jemandem reden. Also nahm ich mir meine Tasche, steckte mein Handy, meinen Schlüssel und mein Geldbeutel ein und machte die Musikanlage aus. Ich wollte zu meiner Freundin, die zwei Straßen weiter wohnt. An meiner Zimmertür blieb ich stehen und zögerte, ich wollte meiner Mutter nicht über den weglaufen. Sie würde gleich wieder rumschreien. Ich musste Mut sammeln um die Tür zu öffnen und mich den Flur entlang zu schleichen.

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